Er war ein Mann wie ein Baum. Man nannte ihn Bonsai.

Gerhart Baum, der Montgomery der FDP, hat einen hervorragenden Kommentar im Handelsblatt veröffentlicht, den wir uns einmal genauer ansehen sollten. Bleiben Sie bis zum Schluss, es wird großartig.

Schon die Überschrift lässt erahnen, wessen Geistes Kind Herr Baum ist. Der alte FDP-Grundsatz „Das regelt der Markt“ gilt für das Urgestein nicht mehr. Er fordert die totalitäre Macht des Staates: „Die Liberalen müssen ihr Misstrauen gegenüber staatlichen Eingriffen überwinden“

„Die Partei muss klären, welches Freiheitsverständnis ihrer Politik zugrunde liegt.“ Denn: „Freiheit muss mit Verantwortung einhergehen und das Gemeinwohl im Auge haben.“ Angesichts der aktuellen Zahlen zu versuchten Suiziden und steigenden Anorexie-Zahlen bei Kindern kann das eigentlich nur in eine Richtung gehen: Das Aufheben von sich als sinnlos erwiesenen Maßnahmen und Gängelungen der Bürgerinnen und Bürger mit Fantasie-Prognosen aus der Verkehrsplanung. Nicht so für Herrn Baum: Er fordert eine Unterscheidung zwischen Geimpften und Ungeimpften. Dieser zutiefst illiberale Gedanke prägt den gesamten Text: „Gravierende individuelle Grundrechtseinschränkungen müssen hingenommen werden, wenn es um den Schutz von Leben und Gesundheit geht. Das ist ein „Höchstziel“ unserer Verfassung.“

Das „Höchstziel unserer Verfassung“ ist jedoch vor allem der erste Paragraph: die Würde des Menschen ist unantastbar. Und nicht „Die Würde des Menschen ist nur bei Geimpften unantastbar“. Dass einem Anwalt so ein Fehler unterläuft – geschenkt. „Der Tote verliert seine Freiheitsrechte schließlich unwiederbringlich.“ ist eine so imposante Holzhammerargumentation, dass man glaubt, Markus Söder hätte als GhostWriter den Stift gehalten. Dass es ohne Gegenmaßnahmen oder Impfungen mehr Tote gegeben hätte, ist rein spekulativ und zahlreiche andere Länder strafen Herrn Baum hier Lügen. Aber es kann auch niemand erwarten, mal über den Tagesthemen-Tellerrand heraus zu schauen. Das eigene Weltbild muss am Brett vorm Kopf enden.

Wir brauchen das Instrument einer Impfpflicht, die an die Verhältnismäßigkeit gebunden ist.“ Richtig, doch wenn diese Verhältnismäßigkeit nicht gegeben ist (und das derzeitige Zurückrudern der Bundesregierung zeigt, dass dem so ist), dann verbietet sich jegliche Diskussion.

Kubickis „einseitige Interpretation“ des Freiheitsbegriffs lässt ebenfalls tief in die Seele von Herrn Baum blicken. Die Menschenwürde der Ungeimpften sei schließlich gar nicht in Gefahr! Anscheinend hat der FDP-Anwalt schon lange keinen Blick mehr in die Schulen dieses Landes geworfen. Oder sich die Fotos vom Sternsinger-Empfang bei Kanzler Scholz angesehen. Oder die Fotos der Reichen und Schönen weltweit, die sich ohne Maske von ihrem maskierten Personal bedienen lassen. Würde gilt heute nur noch für diejenigen, welche das nötige Kleingeld mitbringen. Was ja eigentlich wieder zum Grundsatzbild der FDP passen würde.

Dass die Ungeimpften die Menschenwürde der Solidarischen gefährden, ist ebenso eine falsche Aussage. Entweder, die Geimpften sind geschützt, weil die Impfung funktioniert. Oder sie sind es nicht, weil ihr Schutz sie im Stich lässt. Dann wäre das Pieksen der Unsolidarischen aber auch egal. Generell ist der Begriff der „Solidarität“ inzwischen so dünn gedehnt wie der Kaugummi einer 14-jährigen Schülerin, die ihn seit sechs Unterrichtsstunden unter ihrer Maske kaut.

Wenn sich Kubicki auf das Gebiet der Demagogie begibt, weil er von der Rache der Geimpften an den Ungeimpften spricht – auf welchem Gebiet befindet sich dann Herr Baum? Letzterer spricht mit seinem Beitrag jedenfalls nicht die Ungeimpften an, sondern suhlt sich in der Blase derjenigen, welche sowieso seiner Meinung sind und diesen Artikel nur als Befriedigung ihrer eigenen Paradigmen verwenden. Das erschließt sich sogleich aus dem Satz „Im Übrigen können Ungeimpfte ihre „Benachteiligung“ sofort beenden, wenn sie sich impfen lassen.“

Dieses Argument ist so wunderbar perfide, dass man es auf alles anwenden könnte: Die Sizilianer könnten die Bedrohung durch die Mafia sofort beenden, wenn sie nur Schutzgeld zahlen würden. Und die Damen im kurzen Rock sollten sich einfach nur weniger risikoreich kleiden. Am Ende des Textes konterkariert sich Herr Baum schließlich selbst: „Für Liberale ist Freiheit zunächst einmal von vornherein da.“ Und nicht abhängig davon, ob man sich einem medizinischen Eingriff unterwirft oder nicht. Das versteht sogar ein Baum.

Ihr
@drlockdownviehler

Bild Credits: freepik.com

Veröffentlicht von Dr. Lockdown Viehler

Experte. Tierarzt. Persönlicher Blog.

Ein Kommentar zu “Er war ein Mann wie ein Baum. Man nannte ihn Bonsai.

  1. Na ja, ein Argument für die Impfplicht bleibt noch: die Geimpften kommen weit seltener auf die Intensivstation. Und wenn der Anteil der ungeimpfen Menschen, die >60 Jahre alt sind zu groß ist, wäre das fatal.

    Alllerdings wissen wir nicht, wie hoch der Anteil der Genesenen ist. Und dieses absichtsvolle Nichtwissenwollen ist in meinen Augen ein Indiz, dass auch das oben genannte Argument einr Chimäre ist. Bloß sicher wissen tu‘ ich es nicht. (mein deutsch war auch schon mal besser… )

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